Genussvolles Trödeln – Mit dem Rad in der Wismarer Bucht

Es gibt bekanntlich eine Menge Möglichkeiten, die ersten Stunden des Tages entspannt zu vertrödeln. Mit einem dampfenden Kaffee in der Hand auf der Boltenhagener Seebrücke zu stehen, den Gedanken nachzuhängen und dabei auf die Wellen der Ostsee zu blicken, ist ganz sicher eine der schönsten davon.

Sonne tanken bei einer Pause auf der Seebrücke von Boltenhagen © TMV/Tiemann

290 Meter ragt die malerische Holzbrücke ins baltische Meer hinein; sie ist seit vielen Jahren das Wahrzeichen von Boltenhagen. Das Ostseebad ist eines der ältesten Seeheilbäder in Deutschland, sein kilometerlanger Strand und die beeindruckende Steilküste sind weit über Mecklenburg hinaus beliebt.

Erfrischungsbad in Zierow

Spätestens nach dem zweiten Kaffee auf der Seebrücke ist es dann aber an der Zeit, sich aufs Fahrrad zu schwingen, um bei einer Tagestour noch mehr von der Wismarer Bucht zu entdecken. Durch die ursprüngliche Landschaft des Klützer Winkels, wo sich alte Backsteinkirchen inmitten grüner Wiesen und Felder erheben, führt eine idyllische Route direkt nach Zierow. Es geht durch Wälder, Weiden und Wiesen und schließlich an einen zwei Kilometer langen Küstenabschnitt an der Eggers Wiek. Der Naturstrand dort ist der perfekte Ort, um kurz mal in die erfrischenden Fluten der Ostsee einzutauchen.

Die Altstadt von Wismar mit der Nikolaikirche – UNESCO Weltkulturerbe © TMV/Friedrich

Ein Höhepunkt ganz anderer Art wartet etwas später in Wismar, einem der kulturellen Zentren Mecklenburg-Vorpommerns. Zahlreiche gotische Baudenkmäler machen deutlich, vor welch prächtigen Kulissen sich einst das Leben in der wohlhabenden Hansestadt abgespielt hat. Besonders auffällig: die drei gotischen Sakralbauten St. Marien, St. Nikolai und vor allem St. Georgen, deren Türme sämtlich aus der als UNESCO Kulturerbe gelisteten Wismarer Altstadt emporragen. „Die Nikolaikirche ist zwar die größte der drei, aber auch die jüngste“, erzählt Christian Thadewald-Friedrich, der 30-jährige Kantor des Wismarer Kirchentrios. Er kam aus Thüringen nach Wismar, gibt hier nun Klavierunterricht, spielt die Orgel in den Kirchen, leitet Chöre und Musikgruppen.

Orgelgebraus in gotischen Kirchen

Ein Besuch in der Nikolaikirche bietet sich immer an. © TMV/Tiemann

Wenn man Glück hat, trifft man den hochbegabten Musiker auch schon einmal in der Nikolaikirche an, wo er auf der Orgel spielt, um für eine Aufführung oder eine Messe zu proben. „Da mogele ich dann auch gerne mal eigene Kompositionen unter“, lacht der junge Mann verschmitzt, „das merkt ja in der Regel niemand.“ Dann verrät er noch, dass in der Nikolaikirche manchmal ganz besondere Konzerte stattfinden. „Sehen Sie diese Lichtschächte?“, fragt er und zeigt mit dem Finger unter die Decke der riesigen Kirchengewölbe, wo in lichter Höhe nebeneinander aufgereihte Vorsprünge zu sehen sind. „Darin stehen bei solchen Gelegenheiten die Sänger. Das ergibt eine unglaubliche Akustik und eine ebenso schöne Atmosphäre in der Kirche“, sagt er. Seine Augen glänzen.

Das kleine Inselparadies – Poel

Die Überfahrt auf einem Landstrich zur Insel Poel bietet viel Natur und frische Ostseeluft. © TMV/Friedrich

Die letzte Etappe auf dieser feinen Tagestour mit dem Fahrrad entlang der Wismarer Bucht führt an den Timmendorfer Hafen auf der Insel Poel. Hier dreht sich alles um den Genuss von frischem Fisch, den man sich hier stilgerecht an einigen wenigen Plätzen noch direkt vom Kutter holen kann. Allzu viele Fischer sind es allerdings nicht mehr, die mitten in der Nacht aufbrechen, um hungrigen Besuchern am nächsten Tag frischen Aal (nur im Sommer), Steinbutt, Scholle oder Dorsch anbieten zu können.

Pause am Hafen von Poel mit einem Fischbrötchen – lecker! © TMV/Tiemann

Überfischung der Gewässer und bürokratische Fallstricke der EU haben dafür gesorgt, dass nur noch einige wenige kernige Männer ihr Gewerbe hauptberuflich ausüben. Umso schöner ist zu sehen, wie die Menschen am Hafen klaglos und erwartungsfroh Schlange stehen, um das Gold der Meere so frisch wie möglich genießen zu können. Wahrscheinlich wissen auch sie, dass es eine Menge Möglichkeiten gibt, die letzten Stunden des Tages entspannt zu vertrödeln – und dass ein Sonnenuntergang auf der Insel Poel mit dem malerischen Leuchtturm im Hintergrund und einer frischen Scholle vor sich auf dem Teller ganz sicher zu den schönsten dieser Möglichkeiten gehört.

Mehr Information zum Radweg entlang der Küste findet ihr ausführlich unter Ostseeküsten-Radweg.

Mehr Informationen zur Region: Mecklenburgische Ostseeküste

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