Julia schrieb am 10. November 2014

„Die besten Ideen kommen mir im Auto“

Auf einen Schnack mit Maria Neumeister aka. „nähmarie“

Maria Neumeister lebt in Rostock und betreibt ihr eigenes kleines Label „nähmarie“. Im Rahmen ihres Lifestyle- & Kreativblogs schreibt sie über Selbstgemachtes und Vintage und erklärt in detaillierten Tutorials, wie verschiedene Do-it-yourself Projekte in die Tat umgesetzt werden. Darüber hinaus betreibt Maria seit 2012 in dem Rostocker Studentenviertel KTV ihr eigenes kleines Studio, in dem sie die liebevoll gestalteten Unikate und Fundstücke vergangener Zeiten vertreibt. Eine ihrer größten Leidenschaften ist das sogenannte „Upcycling“ bei dem bereits vorhandene und teils scheinbar unbrauchbare Materialien dazu verwendet werden, wunderschöne neue, handgemachte Produkte zu kreieren. Im vergangenen Jahr veröffentlichte Sie dazu Ihr erstes Buch mit Anleitungen zu über 30 Projekten.

Bloggerin Maria Neumeister © Maria Neumeister

Bloggerin Maria Neumeister © Maria Neumeister

Was bedeutet Kreativität für dich ganz persönlich?

Im Moment bedeutet es für mich in erster Linie, den ganzen Tag das zu tun, was ich liebe. Dass ich mit meiner kreativen Arbeit andere Menschen glücklich machen und vielleicht sogar ein wenig dazu beitragen kann, dass sie selbst kreativ werden, weiß ich sehr zu schätzen. Mit „nähmarie“ das Geld zu verdienen, was ich zum Leben brauche, war nie mein Masterplan und hat sich eher nebenbei ergeben.

Warum sind Handarbeiten und Selbstgemachtes deiner Meinung nach auf einmal wieder so beliebt?

Dafür gibt es unterschiedlich Gründe, die nicht unbedingt immer eine gleich große Rolle spielen. Zum einen ist es mit Sicherheit der Wunsch nach mehr Individualität jenseits von Massenprodukten. Zum anderen entsteht aber auch ein immer größeres Bewusstsein für den Wert eines Produktes. Ein selbstgemachtes Geschenk, in dem immer auch Anstrengung und Zeit steckt, wissen wir viel mehr zu schätzen als ein gekauftes Produkt. Außerdem ist Selbermachen entspannend und ein guter Ausgleich – z.B. zum Büroalltag. Es fördert die Gemeinschaftlichkeit in Gruppen, egal ob beim Upcycling Workshop, Urban Gardening oder Guerilla Knitting. Fähigkeiten wie nähen, backen, reparieren, stricken oder ernten waren vor ein oder zwei Generationen noch selbstverständlich, heute wollen viele Menschen sie bewusst wieder erlernen. Denn je mehr wir selber machen können, desto weniger sind wir schließlich von kommerziellen Angeboten abhängig.

Upcycling Produkte © Maria Neumeister

Upcycling Produkte © Maria Neumeister

Du beschäftigst dich ja viel mit dem Thema „Upcycling“ und nutzt dazu viele vermeintliche Abfallprodukte um völlig neue, individuelle Einzelstücke herzustellen. Glaubst du, dass dies ein eindeutiger Trend für Produkte der Zukunft sein wird?

Durch die modernen Medien wissen wir ziemlich genau, unter welchen Bedingungen Kleidung in Billiglohnländern produziert wird, welche Giftstoffe darin enthalten sind, wieviel CO2 auf den Transportwegen verbraucht wird und in welchem Umfang diese Kleidung allein in Deutschland jedes Jahr im Müll landet. Ich möchte Menschen ermuntern, vermeintliche Abfallprodukte mit einem anderen Auge zu betrachten und Material wertzuschätzen anstatt es wegzuwerfen. Der Upcycling-Trend ist ein Schritt in die richtige Richtung. Auch immer mehr große Ketten interessieren sich inzwischen für nachhaltigere Produktionskreisläufe. Aber: Upcycling löst nicht das Problem unserer Wegwerfgesellschaft. Wir müssen unser Konsumverhalten überdenken und mehr ökologische und soziale Nachhaltigkeit in den Produktionsprozessen einfordern.

Marias 1. Buch zum Thema Upcycling © Maria Neumeister

Marias 1. Buch zum Thema Upcycling © Maria Neumeister

Woher nimmst du die Inspiration für deine Ideen und Tutorials?

Ich lasse mich gern von anderen Blogs im Internet inspirieren, dazu kommt eine große Sammelleidenschaft für alte Handarbeits-Magazine und Kreativ-Bücher vom Flohmarkt. Oft entstehen auch in der Zusammenarbeit mit Kunden ganz neue Produkte. Aber die besten Ideen kommen mir tatsächlich beim Autofahren. Auf der Autobahn in meinem alten Bulli kann ich ziemlich gut entspannen und nachdenken. Mein Beifahrer muss dann oft irgendwelche Notizen aufschreiben oder Sätze auf mein Telefon sprechen.

Wie kreativ ist für dich das Land Mecklenburg Vorpommern? Gibt es hier eine besondere Entwicklung innerhalb der letzten Jahre?

Mir fehlt der direkte Vergleich zu anderen Bundesländern, aber aus meiner Sicht ist MV ziemlich kreativ. Dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob die Kreativszene in den letzten Jahren so sehr gewachsen oder einfach nur sichtbarer geworden ist. Vermutlich waren all die Kreativen schon immer da, aber dank Plattformen wie Kreativsaison oder Kreativer Marktplatz Ponyhof ist man inzwischen viel besser vernetzt, kann sich öffentlich präsentieren und vor allem besser miteinander kooperieren. Das ist für mich auch einer der großen Pluspunkte in MV: Die Kreativszene ist sehr beständig, immer offen für neues und untereinander sehr hilfsbereit.

Und zum Schluss: Wie lange bleibt uns die nähmarie noch in MV erhalten?

Ich wurde in Wolgast geboren, bin auf Usedom aufgewachsen und habe damals bewusst die Entscheidung getroffen, für mein Studium nach Rostock zu ziehen. So gern ich regelmäßig fremde Orte bereise, ich liebe das Meer vor der Tür und die norddeutsche Gelassenheit. Mich kriegt aus MV wohl so schnell keiner weg.

Das Studio der nähmarie in Rostock © Maria Neumeister

Das Studio der nähmarie in Rostock © Maria Neumeister

Habt ihr Lust bekommen und wollt eurer Kreativität nun auch freien Lauf lassen? Dann besucht die nähmarie auf ihrem Blog oder stöbert durch ihr Studio in der Niklotstraße 11, 18057 Rostock (Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr).

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