Julia schrieb am 30. Oktober 2014
aktuell 2 Kommentare

Inside MV: Foto-Convention Zingst

Die Suche nach dem perfekten Foto(grafen)

Eine Begegnung mit dem Mit-Initiator der Foto-Convention „Fit for Future“, Rico Nowicki

Rico Nowicki © Erlebniswelt Fotografie Zingst

Rico Nowicki © Erlebniswelt Fotografie Zingst

Acht bis zehn Vorträge, verteilt auf zwei Tage, professionelle Fotografen als Referenten und mehr als 200 Teilnehmer – vom angehenden Medienfotografen bis zum semiprofessionellen Hobbyknipser: So lässt sich die Foto-Convention Zingst „Fit for Future“ auf den Punkt bringen. Rico Nowicki – Mit-Initiator der Convention – blickt mit uns auf die Premiere 2014 zurück, gibt einen Ausblick auf 2015 und erklärt, was für angehende Fotografen wichtiger ist als das perfekte Foto.

Es ist wirklich schön hier, denke ich, als ich die letzten Meter zur Fotoschule Zingst zurücklege. Zingst liegt auf einer Halbinsel im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und ist eingerahmt vom Wasser, nördlich von der Ostsee, südlich vom Barther Bodden. Wenn die Sonne scheint, so wie an diesem goldenen Oktobertag, springen einen die Fotomotive von allen Seiten nur so an. Schwer, hier kein gutes Foto zu machen. Vielleicht sogar ein perfektes?

„Die Lage ist sicher ein zusätzlicher Grund, warum so viele Auswärtige zu uns kommen“, sagt Rico Nowicki. „Die nehmen die Erholung und das Drumherum gerne mit.“ Rico ist Leiter der Erlebniswelt Fotografie Zingst und einer der Initiatoren der Foto-Convention „Fit for Future“, die im März 2014 zum ersten Mal stattfand. Als ich ihn bitte, das Besondere der Convention mit einem Wort zusammenzufassen, muss er nicht lange überlegen: „Praxisbezug.“

Ausbildung von Fotografen ist top – theoretisch
Zwar seien die meisten angehenden Fotografen gut ausgebildet und ausgerüstet, erzählt Rico, ganz gleich ob Auszubildende, Studenten oder Quereinsteiger. Theoretisch jedenfalls. Denn praktisch kämen häufig Fragen auf, sobald es beruflich ernster wird – sprich: wenn es um Positionierung und Eigenvermarktung geht. „Wir haben gemerkt: Wer eine selbständige Karriere als Fotograf anstrebt, hat oft Probleme, eine spezielle Nische für sich zu finden oder seine Bilder, Konzepte und Angebote an den Mann zu bringen.“

Hier setzt die Foto-Convention Zingst an, darum lautet das Motto „Fit for Future“. „Wir wollen berufliche Perspektiven aufzeigen, neue Impulse geben und Geschäftsideen vermitteln“, sagt Rico. Es gehe vor allem darum, Menschen, die mit dem Fotografieren einmal Geld verdienen wollen, Orientierung mit auf den Weg zu geben. „Darum schauen wir bei uns ganz genau darauf: Wie werden Fotografen eigentlich erfolgreich?“

Dieses Anliegen spiegelt sich im Programm der Foto-Convention wider: Im März verrieten hier erstmals professionelle Referenten Tipps und Tricks aus ihrer Praxis. So berichtete zum Beispiel der renommierte Fotograf Walter Schels – bekannt unter anderem für seine Politiker-Portraits – wie er durch lange Vorgespräche das Vertrauen seiner Modelle erhält und so zu besseren Bildern gelangt, sogar zu perfekten manchmal.

Und ein Quereinsteiger brachte den Teilnehmern außergewöhnliche Perspektiven in der Hochzeitsfotografie näher – weg von der klassischen Studiofotografie, hin zu neuen Wegen, Paare und Gesellschaften in Szene zu setzen.

Der Fotograf wird zum Dienstleister
„Neue Wege“ sei das Stichwort, sagt Rico. Die Fotowelt befinde sich in einem Umbruch. Immer besseres Equipment eröffne zwar neue Möglichkeiten für den Fotografen. Man brauche aber keine 50.000-Euro-Ausrüstung, um perfekte Fotos zu machen – oder wenigstens Fotos, die sich verkaufen.

Wichtiger sei die eigene Spezialisierung: Als angehender Fotograf solle man sich auf das besinnen, was man wirklich kann, findet Rico. Nur dann finde man seine Nische, in der man sich positionieren kann. „Fotografen wie beispielsweise der Reisefotograf Klaus Bossemeyer ziehen mit kleiner Ausrüstung los und machen tolle Bilder.“

In der sich ständig verändernden Medienwelt, glaubt Rico, müsse der Fotograf mehr und mehr zum Dienstleister werden. Um beim Hochzeitsbeispiel zu bleiben: Zu den Bildern kommt dann noch das Video – und das standesgemäße Layout obendrauf. Je individueller, desto besser. „Hier muss man sich an den Kunden anpassen,“ sagt Rico. „Bei der Rockerhochzeit komme ich als Fotograf mit klassischen Hochzeitsbildern nicht weit.“

Eigenvermarktung rückt 2015 noch stärker in den Fokus
Gerade solche Themen wie Positionierung, Zukunftsorientierung und Eigenvermarktung rücken bei der Foto-Convention Zingst 2015 noch stärker in den Fokus. Neben dem angesprochenen Bossemeyer sei unter anderem René Staud eingeladen, erzählt Rico, der sich erfolgreich auf Automobil-Fotografie spezialisiert und daraus ein einträgliches Geschäft kreiert habe. „Auf den freue ich mich ganz besonders – aber natürlich sind auch die anderen Referenten klasse.“

Wie in diesem Jahr wird die Veranstaltung im Kunsthallenhotel Vier Jahreszeiten stattfinden – keine fünf Gehminuten vom Haus 54 entfernt, in dem auch ein sympathisches Hostel untergebracht ist. Neben dem Vortragsprogramm wird es außerdem erstmals einen „Profi-Table“ geben, an dem die Teilnehmer mit den Referenten ins Gespräch kommen und die Inhalte weiter vertiefen können.

Bereits in diesem Jahr kam der größere Teil der 160 Teilnehmer nicht aus Mecklenburg-Vorpommern, sondern aus ganz Deutschland, unter anderem aus Hamburg, Berlin, Frankfurt und Leipzig. Hamburger Teilnehmer, die ein spezielles Travel-Paket gebucht hatten, wurden sogar per Reisebus abgeholt. Im nächsten Jahr kommen auch Berliner in diesen exklusiven Genuss. Insgesamt erwartet Rico 2015 bis zu 250 Teilnehmer.

Impulse erhalten, Leidenschaft teilen, Rahmen genießen
Ob die Foto-Convention auch etwas für mich wäre? „Auf jeden Fall“, sagt Rico. „Ich glaube, dass jeder neue Impulse mitnimmt. Man kommt in Kontakt mit Menschen, die die Leidenschaft fürs Fotografien teilen. Und Zingst mit seiner tollen Landschaft, der guten Gastronomie, dem kulturellen Rahmenprogramm und den Erholungsangeboten ist natürlich sowieso immer eine Reise wert.“

Ich bin jedenfalls überzeugt. Eines will ich jetzt trotzdem noch wissen, bevor ich mich auf den Weg mache: Wann ist denn für Rico ein Foto perfekt? Er überlegt kurz und antwortet: „Wenn es mich reinzieht – egal ob durch spannende Farben, Strukturen oder Motive. Aber reinziehen muss es mich.“ Na also, denke ich, froh doch noch eine Antwort bekommen zu haben. Und ich verabschiede mich von Rico mit der Ahnung, schon bald wieder hier in Zingst zu sein.

Update: Die Foto-Convention Zingst „Fit for Future“ 2016 auf einen Blick
Termin:
18. bis 19. März 2016

Adresse:
Hotel Vier Jahreszeiten
Boddenweg 2
18374 Zingst

Mehr Infos:
im Internet

Anmeldung:
03 82 32 / 16 51 21 oder fotografie@zingst.de

Tickets:
139 Euro bzw. 79 Euro für Schüler, Azubis und Studenten [gilt für beide Tage]

Travel-Pakete:
339 Euro [für 4 Tage inkl. Hin- und Rückreise ab Hamburg oder Berlin, 3 Übernachtungen und Rahmenprogramm wie „Lichtertanz der Elemente“ und „Zingst Live! – Die Musiknacht“]

Lichtertanz © Peter Prast

Lichtertanz © Peter Prast

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2 Kommentare zu “Inside MV: Foto-Convention Zingst”

  1. Peter Cordes sagt:

    schade, würde gern mal Teilnehmen, aber das nötige Kleingeld hat ein Rentner nicht übrig.

    1. Julia sagt:

      Hallo Peter! Danke für deine Anmerkung. Wir haben gleich noch mal geschaut und heraus gefunden, dass es verschiedene Preismodelle gibt. Vielleicht hast du den Preis von 279€ gesehen und ihn als zu hoch empfunden?! Dieser Preis beinhaltet neben dem eigentlichen Workshop-Wochenende aber sogar Übernachtungen und einige weitere Leistungsbestandteile – all inclusive sozusagen. Das gesamte Workshop-Wochenende an sich kostet lediglich 89€. Alle Infos dazu findest du im Internet (siehe oben). Wenn du noch weitere Detailfragen hast, kannst du dich gerne auch direkt an die Kollegen in Zingst wenden: fotografie@zingst.de. Liebe Grüße und fröhliches Fotografieren!

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