Fährwellensurfen auf der Ostsee

Surfen nach Fahrplan

Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt? In Warnemünde stellen sich Wassersportler einfach die Uhr und folgen den Bugwellen zweier Fährschiffe aus Dänemark. Unsere Reisebloggerin Anja mischte sich unters Surfvolk und probierte dieses einzigartige Spektakel aus.

Surfen auf der Ostsee? Und Wie!

 

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Wellen surfen auf der Ostsee? Wie soll das denn bitteschön gehen? Wohl einzigartig in der Welt können Surfer den Swell in Warnemünde auf die Minute genau takten und lauern den Wellen im Wasser. Swell ist dabei kein neuer Hipsterbikini, sondern bezeichnet die ankommenden Wellen.

Wie geil ist das denn, dachte ich mir und beschloss spontan, den Spaß unbedingt einmal ausprobieren. Also marschierte ich eines warmen Nachmittages am zu DDR-Zeiten legendären Warnemünder Hotel Neptun vorbei, folgte dem fettigen Broilerduft des darunterliegenden Restaurants und bog am Strandaufgang 11 Richtung Ostsee ab. Die wehenden Fahnen vor dem Supreme Surf Beachhouse flatterten bunt in der Luft und wiesen mir den Weg. Neoprenanzüge hingen auf einer Wäscheleine und tropften auf den weißen Ostseesand. Einige Surfer oder solche die es noch werden wollen – lümmelten in den Liegestühlen, träumten wahrscheinlich von den großen Wellen Hawaiis und lauschten den obligatorischen Reggae-Tönen aus tiefen Bässen.

California meets Warnefornia

Surflehrer Rene @ Supreme Beachhouse Warnemünde © TMV happybackpacker.de

Surflehrer Rene @ Supreme Beachhouse Warnemünde © TMV happybackpacker.de

Ein Zaun aus bunten Surfbrettern türmte sich an den Seiten der Bar auf und ein Hauch von kalifornischem Flair wehte mir ins Gesicht, ich war in Warnefornia angekommen.

Ich wurde meinem Surflehrer René vorgestellt und es ging sofort mit einem Einführungskurs los. Artig quetschte ich mich in meinen Neoprenanzug und lernte das kleine Einmaleins des Wellenreitens: Wie stehe ich auf, welche Windbedingungen müssen vorherrschen und wie suche ich mir ein passendes Brett aus. Ich lernte zum Beispiel auch, dass nur die alten Fähren der Scandlines-Flotte über eine alte Schiffschraube verfügen, die hydrodynamisch ungünstig gebaut sei und derartige Wellen verursachen. Besonders wenn die Fähren gut geladen sind, sollen sie wohl ordentliche Welle machen.

Wellengarantie 365 Tage im Jahr

 

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Nach einer halben Stunde blickte René angestrengt auf den Horizont, an dem eine riesige Fähre herrschaftlich in den Warnemünder Hafen einfuhr und rief mir zu, mich fertig zu machen. Denn in Warnemünde sorgen keine Riffe oder Wetterkapriolen für die starke Brandung im Stundentakt, sondern der 29.900 PS-starke Motor der „Prins Joachim“ der Scandlines-Flotte. Alle zwei Stunde fährt die Fähre vom dänischen Gedser ins schöne Rostock und bringt nicht nur Touristen sondern auch eine beeindruckende Welle mit sich.

Surf’s up!

 

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Kaum war die Fähre hinter der Mole verschwunden, fing das eben noch glatt gebügelte Wasser der Ostsee an zu tosen. Immer größer werdende Wellen schwappten an Land. Ich schnappte mir mein Board und lief René hinterher ins kühle Nass. Rund zehn Meter vom Strand entfernt, legte ich mich aufs Board, paddelte eine Welle an, kam ins Gleiten, versuchte aufzustehen und wurde von der Kraft der Wellen mitgerissen. Wackelnd stand ich auf, nur um sofort ins Wasser zu fallen.

Hinter mir paddelte ein Stand-up-Paddler und manövrierte sich grazil durch die Wellen. Easy peasy als würde er an Land stehen, drehte er sich beim Wellenritt auf seinem Board um und machte einen Kopfstand darauf. Während ich versuchte mich durch die Strömung zu kämpfen und auf der Höhe von Strandaufgang 11 zu bleiben. Immer wieder kämpfte ich mich nach jeder Welle zurück an meinen Spot und René zeigte mir aufgeregt an, wo ich mich wie in Windeseile zu positionieren hätte. Ich pfiff aus dem letzten Loch und wollte mich nur noch ausruhen, aber „bei den Wellen in Warnemünde muss man schnell sein,“ rief mir René zu.

Nach gut zwanzig Minuten war der Spuk vorbei und die Ostsee beruhigte sich genauso schnell wie die Wellen angefangen hatte. Ich strahlte über das ganze Gesicht als ich wieder zurück an den Strand lief und fühlte mich großartig. Ich schüttelte mir das Salzwasser aus den Haaren und setzte mich an die Strandbar. Schnell kam ich mit den anderen ins Gespräch und redete mit den anderen Chillern über das gute Gefühl „danach“. Ich kam mir vor wie einer der ihrigen. In zwei Stunden würde die nächste Fähre einfahren.

Fans aus aller Welt

Fähwellensurfen auf der Ostsee © TMV happybackpacker.de

Fähwellensurfen auf der Ostsee © TMV happybackpacker.de

Inzwischen locken das Warnemünder Fährwellensurfen Fans aus der ganzen Welt an. Warum ist schnell erklärt: Die Scandline-Fähren fahren alle zwei Stunden von 8 Uhr 30 bis 22 Uhr 30 und bei Windstille oder leicht ablandigen Wind türmen sich die Wellen bis zu anderthalb Metern auf – und zwar nach genauem Zeitplan. Fünfzehn Minuten vor jeder Ankunft der Fähren heißt es am Warnemünde Beach: Surf’s up. Allerdings müssen Surfwillige schnell sein, denn langfristig wird die Reederei die alten Fähren durch moderne Schiffe ersetzen, da beide Schiffe bereits mehr als dreißig Jahre auf dem Buckel haben.

Worauf wartest du?

 

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Hast du Fährwellensurfen schon ausprobiert? Wenn nicht, wird’s jetzt auf jeden Fall Zeit!

Die Wellen kommen alle zwei Stunden an den Strand gerollt. Die Wellen dauern immer nur ein paar Minuten an. Bei scandlines.de erfährst du die genauen Zeiten. Einfach bei supremsurf.de fragen – das Beachhouse von Supreme Surf findet ihr am Strandaufgang 11 – vorm Hotel Neptun in Warnemünde.

Kennst du schon?

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